Lange hat’s gedauert, doch nun ist sie endlich bei mir eingelangt: die Smartwatch Motorola Moto 360. Eigentlich wusste ich mit dieser Gerätekategorie nicht wirklich etwas anzufangen. Doch bereits die ersten (Konzept-)Bilder der Moto 360, welche im Internet aufgetaucht sind, haben mich vom Design überzeugt. Bisher war keine Smartwatch optisch so ansprechend (für meinen Geschmack jedenfalls). Da der kolportierte Preis mit rund EUR 250,00 auch im Rahmen ist, habe ich mich für die Anschaffung der Moto 360 entschieden. Der Marktstart in den USA war scheinbar so erfolgreich, dass es bei der Markteinführung in Europa zu Verzögerungen kam.

Unboxing

Die Uhr wird in einer -wie ich finde- sehr schön gestalteten, zylinderförmigen Schachtel ausgefliefert. Diese Verpackung hebt sich eindeutig positiv vom quaderförmigen Einheitsbrei ab. Nach dem Abnehmen des Deckels strahlt einem auch gleich die Moto360 entgegen. Unter dem Deckel, in welchem die Uhr eingebettet ist, sind dann noch die Ladestation, das Netzteil und das übliche Zettelwerk untergebracht.

Erster Eindruck

Ich habe mich für das schwarze Modell mit dem schwarzen Leder-Armband entschieden. Und ich muss sagen: ich wurde nicht enttäuscht! Die Moto 360 wirk hochwertig verarbeitet und elegant. Meine anfängliche Befürchtung, dass die Uhr sehr massiv und wie ein „Klotz“ am Handgelenk wirken würde, hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Einmal angelegt, empfinde ich das Teil sogar sehr angehnehm zu tragen. 

Display

Meine Testberichte sind ja keine Labor-Berichte, ich denke, davon gibt es ohnehin genug. Demzufolge gebe ich hier nur meine subjektiven Eindrücke wieder, Pixel-Zählen und Helligkeitsmessungen werden hier also nicht zu finden sein. Wie schon bei den Telefonen Moto G und Moto G (2nd Gen.) empfinde ich das Display der Moto 360 als angenehm scharf und auch ausreichend hell. Die Helligkeit kann dabei entweder auf eine Auto-Funktion oder in mehreren Stufen fix eingestellt werden. Die Farben sind auch sehr kräftig dargestellt.

Geschwindigkeit

Nach dem Einschalten wird eine Motorola-typische Animation gezeigt. Auffallend war, dass diese Animation nicht ganz ruckelfrei abgespielt wurde. Ob es am oftmals kritisierten, etwas älteren Prozessor oder an Android Wear liegt, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls sind mir im weiteren Verlauf diese Ruckler nicht weiter aufgefallen. In den ersten Versuchen lief alles ganz flüssig. Nun ja, wirklich hohe Anforderungen an den Prozessor dürften ja nicht gestellt werden, da die Uhr ja mehr oder weniger lediglich die Informationen des verbundenen Mobiltelefons anzeigen soll.

Koppeln mit dem Mobiltelefon

Auf dem Mobiltelefon muss zuerst im Play-Store die AndroidWear-App heruntergeladen und installiert werden. Anschließend können Uhr und Telefon miteinander gekoppelt werden. Dies funktioniert -wie zu erwarten war- wunderbar einfach und ist in wenigen Sekunden erledigt. Ein für mich sehr nettes Feature: befinden sich die Uhr und das gekoppelte Mobiltelefon zueinander in Reichweite, ist der Display-Lock des Telefons deaktiviert. So erspart man sich das lästige Entsperren des Screens, ohne auf diese Sicherheitseinstellung verzichten zu müssen. Erst wenn die Verbindung zwischen den beiden Geräten getrennt bzw. unterbrochen wird, zB bei Verlust oder Diebstahl, wird automatisch der Sperrbildschirm wieder aktiviert.

Betriebssystem, Aufladen und Bedienung

Nach dem Koppeln wird auf der Smartwatch auch schon das erste Systemupdate angzeigt. Dieses lässt sich aber leider nicht sofort einspielen, sondern erst nachdem der Akku der Uhr bis zu einem bestimmten Stand aufgeladen wurde.  Die Uhr wird mit nicht vollem Akku ausgeliefert. Bei meiner Moto 360 betrug der Ladezustand des Akkus rund 25%. Also die Uhr auf das Ladedock gelegt und gewartet. Sobald die Uhr auf der Ladestation liegt, werden die Uhrzeit und der aktuelle Ladezustand angezeigt. Der Aufladevorgang geht angenehm schnell vonstatten. Auch das kabellose Laden empfinde ich als sehr angenehm, da das mühsame Einstecken entfällt. 

Die Bedienung der Uhr ist schon etwas gewöhnungsbedürftig, da man sich erstmal mit den Auswirkungen der jeweiligen Wischrichtung vertraut machen und sich an diese gewöhnen muss. 

Das Display der Moto 360 kann auf mehrere Arten aktiviert werden, zB durch Drücken des seitlichen Knopfes oder Antippen des Displays. Auch das rasche Drehen des Hangelenkes von seitlicher Haltung in Richtung Gesicht aktiviert das Display. Ausschalten kann man das Display ebenfalls durch Druck auf den seitlichen Knopf oder durch kurzes Verdecken mit der Hand. Wird am Display von oben nach unten gezogen, werden das Datum und der Ladezustand angezeigt. Damit kann auch die Vibrationsfunktion aktiviert bzw. deaktiviert werden.

Hält man das aktive Display länger gedrückt, so kann man zwischen den einzelnen Watchfaces wählen. Hier steht eine Reihe von analogen und digitalen Anzeigen zur Verfügung. Auch kann ein eigenes Display durch Hinzufügen eines Fotos über die App Motorola Connect gestaltet werden. Mit einem Tippser auf das aktive Display wird die Google-Eingabe aktiviert. Über Spracheingabe können so einzelne Funktionen, wie beispielsweise der Start einer Navigation oder das Aufzeichnen einer Notiz, ausgeführt werden. Doch Achtung: es können nur bestimmte, vordefinierte Befehle ausgeführt werden. Eine Auflistung der möglichen Befehle findet sich in der Betriebsanleitung der Moto360. Meines Erachtens sollte hieran noch gearbeitet werden, dass das System mit unterschiedlichen Formulierungen zurecht kommt. 

Einen Test habe ich im Hinblick auf die Navigation gemacht. Dazu wurde über das Smartphone in Google Maps das gewünschte Ziel und die Routenoptionen eingegeben und die Navigation gestartet. Umgehend werden die Navigationsanweisungen mit Pfeilen, Distanzangaben, Straßennamen und voraussichtlicher Ankunftszeit auf der Uhr angezeigt. Während dies im Auto vermutlich nicht praktisch ist, finde ich diese Anwendung auf dem Fahrrad und zu Fuß durchaus sinnvoll. So muß das Smartphone nicht permanent in der Hand gehalten oder riskant am Fahrrad montiert werden. Aber die Navigation kann auch direkt über die Uhr gestartet werden! Praktisch ist auch, dass man über Vibrationen auf die nächsten Navigationsanweisung aufmerksam gemacht wird.

Nach einigem Tragen der Moto 360 empfinde ich die kompakten Informationen über eingegangene Nachrichten, Kalendererinnerungen etc. am Handgelenk schon als sehr angenehm. Das Mobiltelefon kann also ruhig in der Tasche verbleiben, bis wirklich eine Aktion ausgeführt werden muss.

Die Sinnfrage & mein Fazit

Die Moto360 trifft vom Design her ganz meinen Geschmack. Sie macht auch von der Verarbeitung her einen sehr guten Eindruck. 

Ob eine Smartwatch wirklich sinnvoll und notwendig ist, muss ohnehin jeder für sich selbst beantworten. Für mich persönlich beantworte ich die Frage mit einem eindeutigen „jein“. Wenn ich an die Anfangszeit des Mobilfunkes und mein erstes Mobiltelefon zurückdenke, wurden diese neuartigen Geräte damals von dem Großteil meines Umfeldes abgelehnt und deren Sinnhaftigkeit in Frage gestellt. Heute, rund 20 Jahre später, haben sich Mobiltelefone zu etwas weiterentwickelt, was damals gar nicht vorstellbar war und höchstens in Science-Fiction-Filmen vorkam. Auch wenn derzeit der Sinn von Smartwatches noch nicht wirklich erkennbar ist und diese bestenfalls als Gadgets durchgehen, bleibt die Entwicklung der Systeme abzuwarten. 

Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt, wie die Entwicklung weitergeht und wie sich dieses Gerät in meinen Alltag integrieren wird.