Motorrad-Helme mit einem Airbrush-Motiv zu gestalten ist eine coole Sache. Wie so etwas gemacht wird, beschreibe ich in diesem Beitrag Schritt für Schritt.

Ausgangslage und die Vorbereitungen

Das Airbrushen von Helmen ist eine tolle Arbeit. Helme können vielseitig gestaltet werden und tragen zur Individualisierung der Biker bei. Was benötigt man hierfür? Ganz klar: einen Helm. Und eine Airbrush-Ausrüstung.

Für diese Arbeit hat mir mein Kunde einen gebrauchten Helm zur Verfügung gestellt. Der Helm selbst hat im wahrsten Sinne des Wortes ein bewegtes Leben hinter sich. Auf der einen Seite hat der Helm Schleifspuren. Diese sollen laut dem Besitzer „frei“ bleiben, d.h. nach Aufbringen des Motives noch sichtbar sein. Dem Träger des Helmes muss bewusst sein, dass der Helm durch den Abschliff möglicherweise in seiner Sicherheitsfunktion beeinträchtigt ist. Darauf habe ich den Kunden auch hingewiesen.

Motorradhelm Airbrush Biomech

Materialien der Helme

Doch welche Helme können bebrusht werden? Helme können aus Kevlar, Karbon, Fiberglas oder Kunststoff bestehen. Karbon Helme sind eher schwierig zu bearbeiten, da die Grundierung nicht optimal hält. Kevlar und Fiberglas sind meiner Meinung nach am besten für das Airbrushen geeignet. Kunststoff-Helme empfehlen sich eher nicht zum Brushen, da das Material eventuell von den Farben und Materialien angegriffen werden kann. Hinweise zur Lackierfähigkeit gibt es in der Bedienungsanleitung oder auf Anfrage beim Hersteller. Im Zweifelsfall sollte man den Helm nicht Lackieren bzw. Airbrushen.

Vorbereitung

Bevor es losgeht, müssen noch einige Vorbereitungsarbeiten gemacht werden. So müssen zunächst mal alle möglichen Teile vom Helm abgebaut werden. Wie weit der Helm demontiert werden kann, hängt vom jeweiligen Modell ab. Hinweise, Tipps & Tricks findet man zahlreich im Internetz – man muss nur die Suchmaschine seines Vertrauens befragen 😉 Zur eigenen Sicherheit sollte man das Zerlegen mit Fotos dokumentieren. Mitunter kann der Zusammenbau etwas tricky sein.

Motorradhelm Airbrush Biomech

Die abgebauten Lufeinlässe.

Sind alle Teile entfernt, kann man sich an das Abkleben machen. Hierbei ist zu beachten, dass wirklich alles zugetaped wird, damit ja keine Farbe ins Innere gelangen kann.

Motorradhelm Airbrush Biomech

Der zerlegte und abgeklebte Helm.

Ist dies erledigt, bekommt der Helm einen „Anschliff“. Mit einem feinen Schleifpad (oder auch Schleifpapier) wird die Oberfläche leicht angerauht. Man entfernt damit einerseits noch eventuelle Verschmutzungen und andererseits wird die Oberfläche besser haftend gemacht. Nach dem Schleifen müssen sämtliche Staubpartikel entfernt werden. Ich nehme hierzu ein feuchtes Microfaser-Tuch.

Motorradhelm Airbrush Biomech

…nach dem Anschleifen…

Grundieren

Bevor man mit dem eigentlichen Motiv loslegt, muss noch grundiert werden, damit die Farbe später auch hält. Ich wähle in diesem Fall eine dreistufige Grundierung. Zum Einsatz kommen hier Createx Sealer White, Sealer Dark und Aluminium Base. Ich fange mit Sealer White an, da ich da besser Unebenheiten und Unregelmäßigkeiten erkennen kann. Zuerst kommt nur eine dünne Schicht, anschließend eine dickere Schicht. Nach jeder Schicht schleife ich mit einem feinen Schleifpad (Körnung 1000) etwas nach, damit die Oberfläche schön glatt bleibt und Unebenheiten ausgeglichen werden. Bei groben Fehlern in der Helmoberfläche muss man zu Füller bzw. Spachtelmasse greifen.

Motorradhelm Airbrush Biomech

Die erste Schicht mit Sealer White.

Dass der Sealer White noch nicht deckt, ist hier nicht wesentlich. Nachdem der Sealer White aufgetragen ist, kommt der Sealer Dark dran. Auch dieser Sealer dient noch dazu, die Unebenheiten etwas auszugleichen. Der schwarze Sealer dient als eigentliche Grundierung für das Aluminium-Base, damit dieses besser zur Geltung kommt.

Motorradhelm Airbrush Biomech

…der Beginn mit dem Sealer Dark…

Motorradhelm Airbrush Biomech

….und der vollständig aufgetragene Sealer.

Dann kommt das Aluminium-Base dran. Ich habe mich hierfür entschieden, da es ein sehr schöner Untergrund für das Biomech-Motiv ist. Aufgetragen habe ich diese drei Elemente mit meiner Iwata Eclipse mit 0,5mm Düse (umgebaut). Diese Düse ermöglicht einen großflächigen Farbauftrag und somit zügiges Arbeiten. Trotzdem und gerade deshalb ist es wichtig, zwischen den einzelnen Schichten genug Zeit zu lassen, damit diese gut trocknen können.

Motorradhelm Airbrush Biomech

Das Motiv

Grundsätzliche Überlegungen

Ich habe vorher zum Thema „Biomech“ etwas im Netz recherchiert. Dabei ist aufgefallen, dass es auch in diesem Bereicht scheinbar „Strömungen“ gibt. Der wohl bekannteste Vertreter im Biomech-Design war der großartige Künstler H.R. Giger.

Zur Orientierung habe ich mir ein paar Werke unterschiedlicher Stilrichtungen ausgedruckt und diese rund um meinen Arbeitsbereich aufgehängt. Der Helm soll durchaus verschiedene Stilelemente erhalten.

Motivaufbau

Im Frontbereicht soll über dem Visier ein Paar leuchtender Augen platziert werden, welche von metallischen Platten umgeben sind. Einen Mund möchte definitiv nicht einbauen. Es soll eher so eine Art „Kiemen“ werden. Auf der Rückseite wird Biomech-Gewebe sein, umgeben von technischen Elementen.  Da der Wunsch des Kunden ist, dass die abgeschrammte Stelle sichtbar bleiben soll, werde ich diese und noch ein paar andere Stellen freilassen, sodass der Eindruck entsteht, dass dies die Überreste des eigentlichen Helmes sind.

Der Beginn  mit der Airbrush-Arbeit

Ich klebe mit 3M-Fineline-Tape die ersten „Metallplatten“ ab und beginne die Augenpartie zu brushen. Für die weiteren Arbeiten verwende ich die Iwate Hi-Line mit 0,3mm-Düse sowie für die feineren Arbeiten die Iwata Hi-Performance mit 0,2mm-Düse.

Motorradhelm Airbrush Biomech

Die getapeten „Metallplatten“, die Augenpartie und der Nasenbereich.

Anschließend mache ich gleich mit der Struktur der „Metallplatten“ weiter und ziehe diese bis in den hinteren Bereich des Helmes durch. Danach beginne ich mit den ersten technischen Elementen. Gebrusht wird, was die Schablonen hergeben *lol* . Spass beiseite, ich verwende die Schablonen zu groben Strukturierung der Elemente, die Feinarbeit wird größtenteils Freehand gemacht.

Motorradhelm Airbrush Biomech

Die Struktur der „Metallplatten“ und erste technische Elemente.

Die Fortschritte

Motorradhelm Airbrush Biomech

Etwas mehr Elemente.

Danach kommen die Schattierungen der Metallplatten an die Reihe. Ich sprühe hier Wicked Detail Smoke Black. Es ist eher eine Art sehr dunkler, transparenter Grau-Ton. Mit einem Cutter und groben Schleifpapier mache ich ein Struktur, die an gebürsteten Stahl erinnern soll. An den Übergängen bringe ich noch einen Verlauf mit Weiß an, welcher eine Licht-/Schatten-Situation simuliert und so für mehr Tiefenwirkung sorgt.

Motorradhelm Airbrush Biomech

Die gebürsteten Platten und die Schattierungen für die Tiefenwirkung.

Nach und nach arbeite ich mehr Elemente ein. Die Vorgehensweise ist dabei immer dieselbe: Skizzierung des Elementes mit der Schablone und anschließend die Ausarbeitung Freehand.

Motorradhelm Airbrush Biomech

Skizzierung weiterer Elemente.

Motorradhelm Airbrush Biomech

Der „Hinterkopf“ mit Biomech-Gewebe und Skulls.

Im Bereich der Augen kommt auch etwas Farbe ins Spiel. Meine Wahl fällt auf Wicked Laguna-Blue, welches ich mit High-Performance Reducer noch etwas verdünne und damit transparenter mache. Der Effekt ist ein elektrisch-leuchtendes Blau.

Motorradhelm Airbrush Biomech

Der fast fertige Helm mit Farbakzenten.

Motorradhelm Airbrush Biomech

Die Oberseite.

Motorradhelm Airbrush Biomech

Die agressive Front.

Das Finishing

Zum Schluß kommt noch das große Finishing mit Klarlack. Dieser soll einerseits den Helm vor Kratzern schützen und andererseits mit seinem Tiefenglanz für ein noch effektvolleres Motiv sorgen. Meiner Erfahrung nach dunkelt das Motiv durch den Klarlack ab, d.h. man sollte dies beim Brushen bereits berücksichtigen. Der Klarlack ist ein heikles Thema, da mit ihm die Arbeit gelingt oder misslingt. In der Regel mache ich dies auch nicht selbst, sondern gebe es zum Lackierer meines Vertrauens, da ich nicht über eine Lackierbox oder Lackierkabine verfüge.

Da ich aber mal etwas Neues ausprobieren wollte, habe ich bei meinem Airbrushhändler 2K-Klarlack aus der Spraydose bestellt. Nun ja, was soll ich sagen. Ist ein Raum verfügbar, welcher Staubfrei ist und in welchem Sprühdosen verwendet werden können, sind diese 2K-Klarlack-Dosen durchaus eine Alternative für kleinere Teile. Die Qualität des Klarlackes eines professionellen Lackierers können sie jedoch nicht erreichen.

Mit dem Ergebnis des Helmes bin ich sehr zufrieden und freue mich schon auf meine nächste Airbrush-Arbeit.