Das nächste Kundenprojekt war wieder mal ein Motorradhelm. In diesem Beitrag zeige ich die Entstehung dieses Werkes Schritt für Schritt.

Der Auftrag

Mein nächstes Projekt war wiederum ein Motorrdhelm. Der Auftraggeber äußerte als Motivwunsch lediglich „Der Helm muss böse werden.“. Nicht mehr und nicht weniger. Hach, ich liebe diese künstlerische Freiheit! Nun gut, dachte ich. Was könnte denn böse sein? Ein wenig Skull, große Hauer, fließendes Blut, eine offene Schädeldecke mit Blick auf das Gehirn. Und Hautfetzen, ja, Hautfetzen müssen auch dabei sein. Aber keine menschlichen, sondern von einem Tier; am besten von einem Reptil. Das könnte echt böse werden.

Motorradhelm Airbrush Skull zerlegt

Die Ausgangslage

Bei dem Helm handelte es sich um einen gebrauchten Fiberglashelm, welcher schon leichte Gebrauchsspuren hatte. Ausserdem sind von der Originalackierung deutliche Erhebungen bemerkbar. Diese mussten natürlich vor dem eigentlich Airbrush beseitigt werden.

Die Vorbereitungen

Also frisch ran ans Werk! Der Helm wurde zuerst komplett demontiert. Anschließend habe ich die nicht zu bearbeitenden Bereiche abgeklebt. Zum Einsatz kamen hierbei das altbewährte 3M-Linierband, das ebenso bewährte 3M-Goldtape sowie normales, breites Maskiertape. Dann habe ich den Helm leicht vorgeschliffen.

Der vorgeschliffene Helm

Um eine neutrale Basis durch Abdeckung der Altlackierung zu schaffen, habe ich zuerst 2 Schichten Createx AutoAir Sealer Black gesprüht und anschließend naß geschliffen. Dann kamen mehrere Schichten Createx AutoAir Sealer White darüber, welche jeweils wieder nass geschliffen wurden, bis eine schöne Oberfläche entstand.

Motorradhelm Airbrush Skull grundiert

Die grundierten Teile

Die Motive

Das Gehirn

Den Beginn machte das Gehirn. Hierzu klebte ich mit dem Goldtape die benötigte Fläche in Bahnen ab und Schnitt mit dem Skalpell die gewünschte Form aus, so als wäre ein Stück aus der Schädeldecke herausgebrochen. Im nächsten Schritt habe ich Createx Wicked Detail Smoke Black mit Reducer verdünnt und dann die Grundstruktur der Gehirnwindungen mit einer Brain-Stencil gesprüht.

Motorradhelm Airbrush Skull Gehirn

Der abgeklebte Teil mit der Grundstruktur des Gehirns.

Mit stark verdünntem Wicked Red wurden dann die Bahnen nachgezogen. Um die Tiefenwirkung zu erreichen habe ich ich Wicked Red mit einer Spur Wicked Detail Smoke Black angemischt und dies nochmals stark reduziert. Diese Mischung über das Wicked Red gesprüht ergibt einen schönen Verlauf mit einer feinen Tiefenwirkung. Die tiefen Stellen der Windungen habe ich mit reduziertem Wicked Black erzeugt.

Motorradhelm Airbrush Skull Gehirn

Das fast fertige Gehirn.

Die Highlights wurden mit einem Radierstift herausgearbeitet. Wie immer habe ich auch hier wieder iterativ gearbeitet, d.h. die einzelnen Schritte mehrmals wiederholt.

Abschließend habe ich noch die Ränder mit reduziertem Wicked Detail Smoke Black schattiert, um so noch mehr Tiefenwirkung zu erzeugen.

So. nachdem dieser Schritt abgeschlossen war, habe ich das Gehirn wieder maskiert, um es bei den weiteren Arbeiten zu schützen.

Motorradhelm Airbrush Skull Gehirn fertig

Das finalisierte Gehirn.

Das Gebiss

Wie eingangs schon erwähnt, müssen in dieses Gebiss richtige Hauer rein um es so richtig böse wirken zu lassen. Also mal kurz die Größe einer Kieferhälfte ausgemessen und auf einem Blatt aufgezeichnet.

Motorradhelm Airbrush Skull Vorlage Gebiss

Der Helm, Egon’s Kopf und erste Zähne.

Auf dem Blatt habe ich dann die Zähne vorgezeichnet und mit dem Cutter ausgeschnitten. Als Vorlage war mir der Kopf von Egon behilflich (Egon ist das Skelett, welches meine anatomische Vorlage für „Knochenarbeiten“ beim Airbrushen ist).

Motorradhelm Airbrush Skull Zahnmuster

Die auf den Helm übertragenen Zähne.

Die so erzeugte Schablone habe ich mit Tape am Helm befestigt und mit Bleistift die Konturen nachgezeichnet. Freihand habe ich dann mit reduziertem Wicked Detail Smoke Black die Zähne und die Kiefer ausgearbeitet. Die schwarzen Stellen sind mit Wicked Black finalisiert.

Motorradhelm Airbrush Skull fertiges Gebiss

Der Helm hat nun zumindest schon mal „Biss“.

Die Schädelknochen

Auch hier wurde wieder mit reduziertem Detail Smoke Black gearbeitet. Zuvor wurden aber noch jene Stellen, an welchen später die Reptilienhaut sein soll, abgeklebt. Ein paar Brüche und Risse im Knochen wurden dann wieder mit Bleistift vorgezeichnet. Mit einer Biomech-Schablone sind dann die Löcher erzeugt worden, die Risse und Brüche wurden vorsichtig mit dem Skalpell gescratcht.

Die Reptilienhaut

Nachdem der Schädelknochen erledigt war, wurde die Maskierung umgekehrt gemacht, d.h. die Stellen mit der Reptilienhaut offen gelegt und der Rest maskiert. Als Basisfarbe diente Wicked Phtalo Green.

Motorradhelm Airbrush Skull Reptilienhaut Basis

Die Basisfarbe für die Reptilienhaut: Phtalo-Green

Mit einer Schablone und Wicked Detail Moss Green habe ich dann das Muster erzeugt. Auch hierbei muss man darauf achten, nicht zu regelmäßig zu arbeiten, da es sonst nicht natürlich wirkt.

Motorradhelm Airbrush Skull Reptilienhaut

Die Reptilienhaut.

Mit Wicked Sepia habe ich dann den Schädelknochen eingefärbt und den Tiefeneffekt noch verstärkt.

Motorradhelm Airbrush Skull mit Sepia

Der mit Sepia eingefärbte Schädel.

Die Blutlinie

Als Vorbereitung für die Blutlinie habe ich mit Wicked White und Freihand-Schablonen eine weiße Linie um die Hautflächen gesprüht. Für die Tropfen habe ich einfach Schablonen aus Normalpapier gecuttet – ganz qick’n’easy.

Motorradhelm Airbrush Skull Blut Basis

Die Basis für das Blut: ganz einfach Weiß.

Auf diese Basis kam dann stark reduziertes Wicked Red. Sozusagen ist das Weiß also die Basis-Basis.

Motorradhelm Airbrush Skull Blut Wicked Red

Die Grundfarbe für das Blut: Wicked Red

Da das Rot ein mittlerer Ton ist, muss es für eine realistische Wirkung also noch aufgehellt und abgedunkelt werden. Für das Abdunkeln habe ich Wicked Detail Smoke Black hinzugemischt. Die Aufhellungen und Reflexionen habe ich mit stark reduziertem Wicked White ausgearbeitet. Zu guter letzt habe ich auch hier noch ein paar Schattierungen mit Detail Smoke Black eingearbeitet.

Motorradhelm Airbrush Skull Blut mit Highlights und Shadows

Das Blut mit Highlights und Shadows

Die Anbauteile

Bei den Anbauteilen habe ich mich dafür entschieden, diese Designmäßig nicht in den Helm zu integrieren, sondern als am Schädel montierte Metallteile zu gestalten. Als Basis habe ich die Teile mit Createx AutoAir Aluminium Base eingefärbt. Mit Detail Smoke Black ein paar Nieten und Rostverlaufsspuren aufgesprayt und diesen mit Sepia ein bischen Farbe verliehen – und fertig!

Das Finishing

Für das Finishing haben der Helm und die Anbauteile noch mehrere Schichten Klarlack für den richtigen Glanz und die Tiefenwirkung erhalten.

Nach der Montage des Helms muss ich sagen: ich bin richtig zufrieden mit dem Ergebnis. Und was noch viel wichtiger ist: Mein Kunde war mehr als nur zufrieden!!